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Magazin (Archiv 2015)

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Reportage

Ritt auf dem Windmühlenfügel

(Ein Video von TV Rekord)


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Industriekletterer kennen keine Angst:

In 30 Metern Höhe schwindelfrei

Staunend blicken die Passanten in der Neusser Innenstadt nach oben. In luftiger Höhe klettert dort ein wagemutiger Mann an einem Gebäude herum. Er befestigt Werbebanner 20 oder 30 Meter über dem Boden. Sein Name ist Hagen Goetzke. Er ist 48 Jahre alt und von Beruf Industriekletterer.

von Dietmar Alexy

Industriekletterer hängt mit Seilen an Wand.

 

  „Nein, Angst kenne ich nicht“, bemerkt der gelernte Diplom-Kaufmann selbstbewusst. Immerhin wird er von zwei Seilen gehalten. Das schlimmste, was bislang passiert ist: Ein Seil scheuerte sich halb durch. Doch er sah es rechtzeitig und ersetzte es durch ein neues. Bei zu starkem Wind bricht er allerdings sofort ab. Denn die großen Plakate könnten davon segeln – das Verletzungsrisiko ist einfach zu groß. „Doch auf eine Leiter klettern finde ich gefährlicher als in 25 Metern Höhe Plakate anzubringen“, erklärt er.


Leiter gefährlicher

    Für den Beruf des Industriekletterers bringt Hagen Goetzke die besten Voraussetzungen mit. Denn schon seit seinem 14. Lebensjahr ist er als Bergsteiger aktiv und deshalb völlig schwindelfrei. Er kletterte auf einem Vulkan in Neuseeland ebenso wie in Australien, den Philippinen und Kanada. Bis in 4500 Meter Höhe wagte er sich hinauf – auch wenn die schwierigsten Kletter-Routen der Welt in Mittelgebirgen zu finden sind. Er erreichte immerhin den Schwierigkeitsgrad acht von insgesamt elf und ist völlig schwindelfrei.

Hochhaus mit originellem Werbebanner

Lohn der Mühe sind solch spektakuläre Arbeitsergebnisse.                                                                                                                  Foto: privat

   Da war es für ihn kein Problem, als in seinem früheren Job beim Digitaldruck und in der Werbetechnik Kunden den Wunsch äußerten, Werbebanner an Gebäuden zu platzieren. Kaum zu glauben, dass die Basis-Ausbildung für diesen gefährlichen Job nur eine Woche dauert – allerdings gibt es danach noch weitere Ausbildungsstufen. Erst nach jahrelanger Berufserfahrung und hunderten Arbeitsstunden kann man Projekte selbstständig durchführen. 1 200 Euro kostet diese erste Ausbildung, dazu kommen 1 000 Euro für die Ausrüstung. Der Industriekletterer muss 10 verschiedene Knoten können – klappt einer nicht, fällt er durch die Prüfung. Denn das würde im Ernstfall tödlich enden. Bis zu 12 000 Knoten müssen geknüpft werden, beispielsweise für Plakate am Gasometer in Oberhausen.

   Auch Rettungstechniken gehören zur Ausbildung – denn passiert etwas in luftiger Höhe, ist niemand so schnell vor Ort, der helfen kann. Gut 40 bis 50 freiberufliche Industriekletterer arbeiten im Rheinland.

    Die wenigsten von ihnen sind Bergsteiger. Meist handelt es sich um Techniker, Gerüstbauer, Dachdecker – und auch bei Studenten ist das Klettern ein beliebter Ferienjob. An Hochöfen oder Industrieanlagen sind sie aktiv. Auch die Reinigung von Gebäuden gehört dazu, wie beispielsweise die Fenster des Kölner Hauptbahnhofs.

   Doch es gibt auch spektakuläre Arbeiten. So befestigte Hagen Goetzke ein Werbebanner an der Nordfassade des Kölner Rheinenergie Stadions – 130 Meter breit und 20 Meter hoch. Spektakulär auch die Arbeiten am Weltkulturerbe Völklinger Hütte – ein stillgelegtes Stahlwerk ähnlich dem Landschaftspark Nord in Duisburg.

   Geradezu wie Peanuts erschienen ihm da die dreistündige Arbeit für das Anbringen von Plakaten am Dinslakener Vinzenz-Hospital. Dazu kommen Kunst- und Kulturprojekte. Doch selbst die spektakulärsten Arbeiten lehnt der Mettmanner ab, wenn ihm das Risiko zu groß ist, dass etwas passieren könnte.


Sicherheit zuerst

   So weigerte er sich, ein Plakat an einer frei stehenden Außentreppe zu befestigen. „Starke Windböen hätten es herunterreißen und jemanden verletzen können, auch die statische Belastbarkeit der Treppe war völlig ungeklärt“, so Goetzke. „Bei manchen Arbeiten der Mitbewerber kann ich da nur den Kopf schütteln. Sie gehen ein zu großes Risiko ein, dass etwas passieren könnte“, ärgert er sich. Und das ist auch deshalb so gefährlich, weil in luftiger Höhe so schnell niemand helfen kann.

Kölner Stadion mit spektakulärem Banner

Zu den besonderen Aufträgen von Hagen Goetzke gehörte das Anbringen eines riesigen Werbebanners am Kölner Stadion.   
                                                                                                                                                Foto: privat

   Dennoch sind Unfälle in der Branche sehr selten. Materialversagen gibt es praktisch gar nicht, weil alles ständig überprüft wird. Früher war es gefährlicher, weil es noch keine Schutzausrüstung und berufsgenossenschaftliche Vorschriften gab. Heute besorgt das der Fachverband Fisat(.de). Da brauchen Hagen Goetzkes Ehefrau und die drei Kinder nicht zu zittern – denn schon seit 14 Jahren ist er unfallfrei in luftiger Höhe aktiv.

Ein noch junger Beruf:

Startschuss an der Golden Gate Bridge

     

    Die Ursprünge des Industriekletterns gehen bis auf die 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück. Damals wurden erstmals Seilsicherungen in der Höhenarbeit eingesetzt. Die Arbeiter waren zur Selbstsicherung verpflichtet. Beim Bau der Golden Gate Bridge in den USA konnte die Zahl der tödlichen Unfälle unter dem Durchschnitt gehalten werden. Auch beim Hoover-Staudamm wurden erstmals Industriekletterer eingesetzt.

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Beginn in England
  
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    Der eigentliche Startschuss der Industriekletterei fiel dann aber in den 1970er-Jahren in England. „Die Errichtung, Wartung und Sanierung der Bohrinseln in der Nordsee bewog britische Alpinisten, mit Seiltechniken zu arbeiten“, schreibt das Internet-Lexikon Wikipedia. Ein zweites Sicherungsseil wurde erstmals eingesetzt. Besonders die Öl- und Gasindustrie benötigte Arbeiter, die am Seil ausgebildet waren. Erst später wurde dann der Verband Industrial Rope Access Trade Association (IRATA) gegründet. Die weltweit größte Vereinigung mit über 15 000 lizensierten Mitgliedern.

   In den 1980er-Jahren  begann dann auch die Industriekletterei in der DDR. Denn dort waren viele Plattenbauten in schlechtem Zustand. Der Beton war undicht und ließ Kälte und Nässe durch. Damals waren Gerüste oder Hebebühnen Mangelware. Deshalb kletterten Hobbyalpinisten selbst an die Fassaden und reparierten sie.

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Zunächst nicht anerkannt
  
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     Nach der Wiedervereinigung bekam die Industriekletterei einen Rückschlag, da sie vom Arbeitsschutz nicht anerkannt war. „Früher war sie regelrecht vogelwild“, erzählt Hagen Goetzke. Erst 1995 gründete sich in Deutschland der Fach- und Interessenverband für seilunterstützte Arbeitstechniken, kurz FISAT. Der Verband brachte Experten aus Industrie, Wirtschaft, Höhenrettung und Unfallversicherungsträgern zusammen. Sie gingen gegen die Berufsgenossenschaften vor, die Industrieklettern in Deutschland verbieten wollten. „Heute ist inzwischen aber alles berufsgenossenschaftlich abgesichert“, erklärt Goetzke.

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Noch keine Unfälle
  
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     Einen weiteren Schub erhielt der Beruf durch die Künstler Christo und Jeanne-Claude und ihrer Verhüllung des Reichstags ebenfalls 1995. Sie erhielten eine Ausnahmegenehmigung für den Einsatz von Industriekletterern. Zwei Jahre später war der Beruf endgültig in der Bausparte etabliert. Denn der FISAT erließ Richtlinien zur Ausbildung und Sicherheit und zerstreute damit die letzten Bedenken in den Ämtern. Seitdem können Industriekletterer eine anerkannte Ausbildung machen. Damit ist gesichert, dass sie verantwortlich auf Baustellen agieren und weder sich noch andere gefährden. „Im Gegensatz zum Bau habe ich in meinen Beruf noch keine Unfälle erlebt“, beruhigt Goetzke.

   Heutzutage bilden sich sogar Sachverständige zu Gutachtern aus, um selber Risse in Häuserwänden überprüfen zu können. Ein spannendes Einsatzgebiet ist auch die Filmproduktion. Noch relativ neu: Die Überprüfung von Haarrissen bei Windrädern.                                          -alex                                                                              

 


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Feature

Industriekletterer in schwindelerregender Höhe

video

(mit freundlicher Genehmigung von zoomin.tv auf TV Rekord)


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